Galerie LIK

Gallery of Photography

Ausstellungsraum für Fotografie

Die Fotoausstellungen der Galerie LIK


Almin Zrno

 5.3..2018 - 4.4.2018

Vernissage am 5.3.2018 um 19 Uhr ANMELDUNG HIER ERFORDERLICH

"The Apology of Eros"

 

 Foto: Almin Zrno

Foto: Almin Zrno

Die neueste Serie mit einer überaus kreativen auktorialen Glaubwürdigkeit bei der künstlerisch-fotografischen Interpretation der Welt und des Lebens, die uns abermals prächtige künstlerische Resultate der untersuchten, sensiblen und raffinierten Entdeckungsreise in die Welt der Fotografie von Almin Zrno bietet – stellt eine der neuesten Etappen seines künstlerischen/fotografischen Weges dar, auf dem im Medium der Fotografie, in der lebhaften Dynamik seiner Werke, sozusagen symbiotisch und fruchtbar Zrnos externe Wahrnehmung und Auswahl der Spektakel der Welt und des Lebens (seiner sinnlichen, optischen, räumlichen, formellen und materiellen Konfigurationen, des Farbwerts, der Beziehungen und Phänomene) synthetisiert wird – und ihre interne/innere/geistige (emotionale, erfahrungsbezogene, intellektuelle oder reflexive...) Dimension, in der die kreative Materialisierung und Interpretation dieser Erfahrung (und Selbsterfahrung), die Materialisierung im Körper der Fotografie als Ausdruck der primären, persönlichen und tief gelebten Lebenserfahrung und seiner Autorensemantik erzeugt wird oder wurzelt.

In dieser Hinsicht figuriert die fotografische Welt von Almin Zrno – die in seinen technischen Aspekten, in den konstruktiven und forscherischen Probestücken und Gesten, in den technischen Arbeitsvorgängen mit dem Material professionell souverän und forscherisch undogmatisch ist – diese seine fotografische Welt figuriert als auktorial überzeugende Sprache und auktorial überzeugende fotografische Interpretation der Welt, die seine Lebenshaltung, ausgedrückt durch die Bildsprache der Fotografie und ihres thematischen, kompositionellen und optischen Arrangements, Collagierung oder Organisierung, enthält.

In Kürze: durch die Autorität seiner künstlerisch-fotografischen Erfahrung arbeitet Almin Zrno andauernd an der Apologie der künstlerischen Fotografie, beziehungsweise der Fotografie als Kunst (und an ihrer ästhetischen und ebenfalls geistlichen und letztendlich ebenfalls an der erkennenden Dimension), sie dabei vor der Repression, Simplifikation und Vulgarisierung rettend, die der „Geist der Zeit“ mit sich bringt, sie vor der populären und populistischen (aber eigentlich höchst oberflächlichen) globalen Pseudodemokratisierung der Technik und ihrer Massennutzung rettet, in der gerade die Fotografie als Kunst draufgeht. Das fotografische Geschick (das, versteht sich, die erstklassische technisch-technologische Kompetenz auf dem Feld der Nutzung und Anwendung zeitgenössischer Techniken und Methoden voraussetzt) auf dem Feld des künstlerischen fotografischen Produkts überschreitet das vulgäre Verständnis der Fotografie als (technisch vermitteltes) „Spiegelbild“ oder „exaktes Abbild“ (d. h. Kopie) der Realität und ihrer schieren technischen Vervielfältigung. In Verbindung damit lohnt es sich hier, die schon ältere, aber immer noch aufschlussreiche Diagnose der Epoche von Walter Benjamin über das Schicksal des Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zu evozieren. Diese (beinahe testamentarische und für die heutige Diskussion über die Kunst, einschließlich der Fotografie, immer noch verpflichtende) Abhandlung Benjamins – gibt uns eine Denkaufgabe (auch) über den Status der Kunst im Zeitalter des wissenschaftlich-technischen Antriebs der Welt, besonders der Fotografie. In unserem Gedächtnis befindet sich immer noch Benjamins Diagnose über die bedeutende Veränderung des Charakters des Kunstwerks im Zeitalter der modernen Technik, die Abschaffung des Kunstwerks als einem einmaligen, einzigartigen und unwiederholbaren Original, die Diagnose über den wesentlichen Verlust der Aura des Kunstwerks, als Preis für die technische Reproduzierbarkeit und Vervielfältigbarkeit. Das epochale Beispiel dafür ist die Fotografie und ihre kulturell-geschichtlich und gesellschaftlich bedingte Degradierung des Bildes (in der informativen/journalistischen, illustrativen und dokumentaristischen Rolle, oder in ihrer Simplifizierung und/oder Missbrauch im politischen oder wirtschaftlichen Raum). Das Gegengewicht zu dieser Degradierung oder Funktionalisierung der Fotografie (das sie gesellschaftlich, kulturell und historisch erklärt) – stellt (sollte darstellen?) die Kunstfotografie dar, die als solche trotzdem in sich die Möglichkeit der auratischen Erfahrung des Kunstwerks versteckt, falls (in Benjamins Worten) Aura „ein sonderbares Gespinst aus Raum und Zeit: einmalige Erscheinung in einer Ferne, so nah sie sein mag“ bedeutet. In dieser Hinsicht sollte die Kunstfotografie auf jener Seite des bloßen fotografischen Positivismus sein, der seine „Wahrheit“ in der „Faktentreue“ oder der exakten „Reflektierung“ der Realität sucht, beziehungsweise im Kanon des scheinbar „reinen Objektivismus“ des fotografischen Bildes, der (scheinbar) jede Möglichkeit der auktorialen Subjektivität des Fotografen abschafft.

 

Diese kurzen Einwände appellieren an das Verständnis der künstlerischen Substanz der Kunstfotografie als Interpretation und als Kreation der Wirklichkeit in der Sprache des fotografischen Bildes der Welt, und vor diesem Hintergrund versuchen sie die künstlerische/fotografische Apologie Almin Zrnos zu situieren.

 

Diese konkrete Ausstellung, deren ausdrücklicher thematischer Fokus der weibliche Akt ist, knüpft an die lange historisch-künstlerische und kulturell-historische Problematik des Akts an. Dieses uralte Thema ist – im Rhythmus der überaus kontroversen historischen gesellschaftlichen, kulturellen, historisch-künstlerischen, politischen, weltanschaulichen Axiologie im Hinblick auf den Status des menschlichen Körpers und Körperlichkeit – auch heute lebendig und betrifft kulturelle, weltanschauliche, alltäglich-lebensbezogene, künstlerische und ästhetische Fragen. Almin Zrno rettet mit seiner eigenwilligen Behandlung dieses alten/neuen Themas auf der einen Seite die Thematik des Akts vor der Degradierung und Vulgarisierung des menschlichen – hier: des weiblichen – Körpers, und evoziert und beteuert auf der anderen eine uralte soziale, kulturell-anthropologische und psychologisch-biologische Konstante und Schönheit des menschlichen Körpers und Körperlichkeit (konkret: die Urschönheit des weiblichen Körpers, seines Magnetismus und Mysteriums), nämlich die Urschönheit der Frau (als einer Art anthropologischen Apriorismus alles Lebens). Seine fotografische Behandlung des weiblichen Körpers ist auf eine Art und Weise eine künstlerische Neuerschaffung des höchsten (und evolutorischen und kulturellen) Lebensprinzips, seiner Form, seiner lebensgebenden Kraft, sowie die Neuerschaffung des sublimierten/kultivierten Lebensprinzips des Eros, aber auch seiner urtümlichen, versteckten und zweibedeutenden Anspannung: “Die größten Verzückungen“ – wie in seinem kulturell-philosophischen Kontext Eugen Fink schreibt – „und die traurigsten Schmerzen, das vertraulichste Glück und die bitterste Qual befinden sich in seiner Begleitung (....) Hier sind gemeinsam möglich und schrecklich nah die sublimsten Grauen und gröbsten Begierden (....) Der /Eros/ versteht sich meistens nicht in seiner vollen dialektischen Einheit vielartiger Gegensätze: Das Phänomen wird auf mehrere Weisen zergliedert, zerlegt, unterschieden: es wird aufgetrennt und zersplittert. Und dabei spielt die traditionelle Anthropologie eine entscheidende Rolle, die den Ort des Menschen zwischen dem Tier und Gott ansiedelt. Der Eros wird in einen sinnlichen, tierischen Teil, und einen übersinnlichen, geistig-göttlichen Teil geteilt. Aber da es in der echten Existenz des Menschen nicht leicht von der Hand geht, die Elemente zu isolieren, die die Metaphysik lehrt: dass sich in uns bloß das Tier von Gott trennt...(...) ... deswegen verbleibt das existentielle Phänomen des Eros in einem unlösbaren Gegensatz mit der Interpretation...“ 

Mir scheint es, dass – in Anbetracht dieses anthropologischen Hintergrunds – die Behandlung des weiblichen Körpers (der tief verbunden ist mit dem anthropologischen Prinzip des Eros) in der fotografischen Narration von Almin Zrno verstanden werden kann als sublime Apologie des Eros, in der die (un)durchsichtige und (un)widerstehliche Schönheit des weiblichen Akts materialisiert ist, in seinem Relief und seiner Plastizität. In Kürze: Zrnos Serie weiblicher Akte ist auch selbst hoch kultiviert, plastisch und zartfühlig, und (in der Behandlung der Form und Dynamik des Akts, in der Arbeit mit Licht, in sanften und/oder entgegengesetzten Farbwerten von Lichtpartien, in einer beinahen Pastelltextur der Fläche, der Figuren und des Hintergrunds...) stellt eine kultivierte Apologie des Eros dar als sublimierten=kultivierten Lebensantriebs, der (als kultiviert) aufhört, eine brachiale Treibenergie zu sein und – in der fotografisch-bildlichen Behandlung – sich den allbekannten Vulgarisierungen im medialen und pornographischem Schund widersetzt, sowie jeglichen weltanschaulichen Stigmatisierungen und den Versklavungen des menschlichen und besonders weiblichen Körpers als angeblichem Topos der „Sünde“ und der Reduktion auf das Objekt unterschiedlicher sozialer und kultureller repressiver Praktiken. Deswegen können wir diese fotografische Serie von Almin Zrno verstehen als ein künstlerisch starkes und schönes Lob des Eros.

 

Autor: Prof. Dr. Sulejman Bosto

 

 Foto: Almin Zrno

Foto: Almin Zrno

Alim Zmo

 Foto: Michaela Krauss- Boneau

Foto: Michaela Krauss- Boneau

Almin Zrno ist einer der einflussreichsten bosnisch-herzegowinischen Fotografen. Geboren 1966 in Sarajevo, entdeckte er schon früh seine Liebe zur Fotografie und begann seine Werke bei vielzähligen Gruppenausstellungen überall in Ex-Jugoslawien als Mitglied des Foto-Kino-Klubs CEDUS zu zeigen. Im 17. Lebensjahr erhält er den ersten Preis für die beste Fotografie bei einem staatlichen Wettbewerb. Nach dem Krieg fährt er fort, seine professionelle Karriere zu entwickeln und arbeitet am meisten im Bereich der Zeitungsfotografie. Diese Arbeit resultierte in zwei Preisen für die beste veröffentlichte Fotografie, die ihm der Journalistenverband von Bosnien-Herzegowina verliehen hat. Im Jahr 2000 wird er Mitglied des Künstlerverbandes für angewandte Kunst (ULUPU BiH), dessen Vorsitzender er gegenwärtig ist. 2003 hat er seine erste selbstständige Ausstellung unter dem Titel 'STAGE' in der Kunstgalerie von Bosnien und Herzegowina und wendet sich langsam anderen Ausdrucksformen zu, in erster Linie dem Akt und der Portraitfotografie. 2007 erlangt er den Status eines herausragenden selbstständigen Künstlers. Bis jetzt hat er fünfzehn selbstständige Ausstellungen in Bosnien und Herzegowina und dem Ausland organisiert, und sich an einer Vielzahl von Gruppenausstellungen überall auf der Welt beteiligt. Ihm wurden sechs angesehene Preise des Collegium Artisticum für Fotodesign verliehen, und seine erste Monografie mit dem Titel Vijećnica-Almin Zrno veröffentlichte er 2015.

 
 


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